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Carl Ischer
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Unitarier

Unitarian

Die historischen Wurzeln dieser Bewegung sind in der Reformationszeit zu suchen. Erasmus von Rotterdam (Desiderius Erasmus 1466-1536) bekämpfte die Missbräuche in der katholischen Kirche, lehnte aber Luthers Reformation ab. Er gab 1516 die erste griechische Druckausgabe des Neuen Testament heraus. Diese Bibelausgabe war die Grundlage zu Luthers deutscher Bibelübersetzung. In dieser Bibelübersetzung sind die Gedankenansätze der Väter der Unitarier zu finden. In der mir vorliegenden Bibelausgabe steht in
1. Johannes 5, 7 und 8

    -in der griechischen Ausgabe:
    7 οτι τρεις εισιν οι μαρτυρουντες εν τω ουρανω ο πατηρ ο λογος και το αγιον πνευμα και ουτοι οι τρεις εν εισιν
    8 και τρεις εισιν οι μαρτυρουντες εν τη γη το πνευμα και το υδωρ και το αιμα και οι τρεις εις το εν εισιν

    -wörtlich übersetzt
    7 die drei sind die Zeugen in dem (die) Himmel der Vater, das Wort und der heilige Geist und diese die drei einer sind
    8 und drei sind die Zeugen auf (in) der Erde der Geist und das Wasser und das Blut; und die drei (hin zu) einer sein.

    -in der Lutherübersetzung von 1984 steht hier:
    7 Denn drei sind, die das bezeugen:
    8 der Geist und das Wasser und das Blut; und die drei stimmen überein.

Die Unitarier meinen, weil in der oben angeführten griechischen Ausgabe (von Erasmus), im Vers sieben der Zusatz "in dem (die) Himmel der Vater, das Wort und der heilige Geist und diese die drei einer sind" fehlt, hier herauslesen zu können, daß die Trinitätslehre falsch ist. Richtig ist, dass in den ältesten uns überlieferten Bibelfragmenten diese Verse wirklich fehlen. Trotzdem läßt die Gesamtsicht der Bibel keine Alternative zur Trinität zu. Die allgemeine Reformation behielt diese Lehre der katholischen und Orthodoxen Kirchen bei. Nicht so die Unitarier. In ihren Homepages führen die Unitarier im weiteren eine Anzahl von Reformatoren an um ihre Glaubenslinie zu untermauern. Ich möchte diese hier folgen lassen. Nach 1541 flohen viele Reformer in protestantische Territorien um der Inquisition zu entgehen. Einer von ihnen war Ochino Bernardino (1487 - 1564) ein reformatorischer Theologe. Er war zuerst ein Mitglied der Franziskaner (ab 1503), schloß sich 1534 dem Kapuzinerorden an. Er war einer der hervorragenden Prediger seiner Zeit u. ein vielseitiger Theologe. Unter Aufnahme von platonischem Gedanken verband er franziskanisches Demutsideal mit reformatorischen u. spirituellem Gedankengut u. wurde so ein durchaus origineller Denker. Er verfaßte Schriften über d. Eucharistie, d. Problem d. Willensfreiheit u. d. Prädestination. Seine tolerante Grundeinstellung ließ ihn am Ende seines Lebens immer mehr von einem dogmatischen Christentum abweichen und zu "häretischem" Gedankengut kommen. Er war aber kein Antitrinitarier. Durch sein Buch "Dialogi XXX" meinte man ihn in diese Richtung abschieben zu müssen. Ein anderer Flüchtling war Sebastian Castellio (1515 - 1563). Er war ein Freund von Johannes Calvin und lehrte in Genf. Das herzliche Verhältnis zu Calvin wurde aber schließlich durch theologische Gegensätze getrübt. Sein Buch Concerning Heretics verursachte eine Welle des Protests über dem grausamen Tod des spanischen Doktors Michael Servetus (1511-1543). Servetus wurde im protestantischem Genf als ein Antitrinitarier verbrannt. Castellio ging deshalb nach Basel. In Basel hatte er keinen leichten Stand wegen seines unerbittlichen Kampfes gegen Gewissenszwang und Glaubensverfolgung, wegen seiner freundschaftlichen Beziehungen zu dem Täufer David Joris und seiner Polemik gegen die Prädestinationslehre Calvins. Seinen Gegnern aber gelang es nicht, ihn aus Basel zu vertreiben. Auch er war kein Antitrinitarier. Hauptsächlich an drei Orten konnten die Antitrinitarier Gemeinden gründen. Ein Ort war die unabhängige Republik Grison (Graubünden) in der südöstlichen Schweiz. Die anderen zwei Orte waren das Gebiet um Krakau im Süden von Polen, und in Transylvanien (Karpatengebiet) im heutigen Grenzgebiet von Rumänien (Banat und Siebenbürgen), der Slowakei und dem östlichen Ungarn. eng verbunden mit dieser Entwicklung ist der Blandrata (Biandrata), Giorgio (1515 - 1588/90). Er studierte in Pavia Medizin und war eine Zeitlang Leibarzt der Königin Bona von Polen. Da er wegen seiner Äußerungen der Inquisition verdächtig wurde, floh er 1556 nach Genf und schloß sich der dortigen italienischen Flüchtlingsgemeinde an. Nach dem Tode von Michael Servetus fürchtete er sich als Antitrinitarier verfolgt zu werden und wandte sich nach Polen und wurde 1560 Senior (weltlicher Vorsteher) der reformierten Gemeinden Kleinpolens. 1563 siedelte er als Leibarzt des Fürsten Johann Sigismund nach Siebenbürgen über und wirkte und warb dort erfolgreich für die antitrinitarische Bewegung. Er vertrat die gemäßigtere Richtung und bekämpfte darum mit Fausto Sozzini (1539 - 1604) den radikalen Franz Davidis (1510 - 1579), der die Anbetung Christi verwarf. Ab 1590 wütete die Gegenreformation in Polen. Die Reformation wurde aus Polen verbannt und alle Protestanten ausgewiesen bzw. umgebracht. In Transylvanian wurden 1569 diese Gläubigen, von ihren Gegnern, wegen ihrer Ablehnung der Trinität, als Unitarier bezeichnet. "Unitas" kommt aus dem Lateinischen und bedeutet "Einheit". Heute ist es die übliche Bezeichnung dieser Lehre. Auch in der heutigen Zeit gibt es in diesen Gebieten unitariesche Gemeinden. Aber auch in England, Deutschland und Amerika gibt es Gemeinden.

 

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In dieser Aufzeichnung sind sehr viele Namen aufgeführt.
Als Nachschlagewerk empfehle ich das
Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon

Unitarischen Freien Religionsgemeinde Frankfurt/Main

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